Die Umwelt­gewerk­schaft e. V. setzt sich für den soli­darischen und kämpferischen Zusammen­schluss aller um­welt­bewegten Menschen ein und tritt aktiv der fort­schreitenden Umwelt­zerstörung und der akuten Gefährdung der natür­lichen Lebens­grund­lagen ent­gegen.

G20 Geborstene Scheibe
Diskussionsbeitrag von J. Büttner, Hamburg

Die Stunde der Nachtreter, Waden­beißer, Reaktionäre und Schaum-vorm-Mund-Anti-Liberalen und Linkenfresser ist gekommen. Die geplante Zwangsruhe von Bürgermeister, Innensenator, Polizeieinsatzleitung, Bundesministerien und Regierung ist nicht eingetreten. Das Desaster groß – Stunde der Nebelkerzen und Verdrehungen angesagt. Oder anders: Wer nicht bei 3 auf den Bäumen ist, wird gefressen.

G20 PolizieabsperrungDer Gesichtsausdruck von dem kleinen Olaf, der als König der Freien und Hansestadt sich als 1. Bürgermeister sah und fühlte, spricht Bände.
Wie nach dem Genuss von Essigsäure mit Salzsäurekopfnote. Jahrelang geplant. Aus seiner rechten SPD-Sicht wie immer alles richtig gemacht. Wollte aufgenommen werden in die grosse weite Welt der internationalen Politik mit dem Werbesprech von der schönsten Stadt der Welt. Nebenbei allem was linker ist als er selbst, entsprechende Grenzen aufzeigen. Und wenn keine Unterwürfigkeit zu erwarten ist, dann folgt nach bewährtem sozialdemokratischen Muster der Knüppel. Hier in Form eines massgebenden Polizeieinsatzleiters Dudde. Name gleich Programm. Nicht berühmt für demokratisches Fingerspitzengefühl, dafür begleitet von lokalen Beweihräucherungsstories des Boulevard über Härte und Unnachgiebigkeit, über Selbstbesoffensein zum Apparat, mit modernster Technik, keinen Millimeter Zurückweichens, Kampf über die Deutungshoheit.
Genützt hat es alles nichts. Der Schaufenstereffekt. Der Brennglaseffekt. Übergroß erkennbar die missglückte Inszenierung. 'Just for show' würde Trump twittern, hätte er die Hintergründe mitbekommen und verstanden. Aber die Inszenierung. 'Bad, very bad, poor!'
G20 Bier holenDabei lässt sich die Dramaturgie in mehreren Akten leicht erkennen. Zuerst: Nicht Schlafen. Betreten des Rasens verboten. Grünanlagenverordnung. Wir werden jeden Grashalm mit Hundertschaften von Bereitschafts- und Bundespolizei schützen, damit Jugendliche im Schlaf sich nicht zu einem Gewaltpotential zusammenrotten. Dieses war nämlich schon erkoren worden: Welcome to hell. Am Donnerstag sollte dieses Klientel die teuren Knäste füllen und für die Legitimation der Gewalteinsätze des Apparats genutzt werden. So viele Wasserwerfer modernster Bauart nach Hamburg gekarrt. Nur zum Anschauen? Zu wenig. Also, Action. Machen sich im Fernsehen hervorragend. Abenddämmerung. Scheinwerfer. Fontänen. Gewürzt mit Pfefferspray. Ab diesem Zeitpunkt hat die Regie dann den Faden im Drehbuch verloren. Dudde, hier, Dudde da, dort Dudde. Er bekam seinen Auftrag nicht mehr hin. Statt so schön säuberlich trennen in die Guten und die Bösen, die bösen Bösen und ganz Bösen. Plötzlich war das Spiel erkennbar. Polizeiapparat und Politik gegen die Bevölkerung und den Protest. Verursacher gegen Erkenntnis. Damit sich dieses Ergebnis ja nicht festsetzen konnte: Plan C. Also dem Apparat eine Pause gönnen, ihn zurücknehmen und inmitten von über dann 21000 Polizisten kleine Gruppen unbehelligt Randale machen lassen. Angekündigte Totalüberwachung sah und hörte nichts. Anwohner dagegen schon. Ihre Autos brannten. Ihre Scheiben klirrten. Am Ende der Leitungen niemand. Keine Feuerwehr, keine Polizei. Aber endlich Bürgerkriegsbilder. Zum Wochenende hin, bei hoher Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Allen Versprechen zum Trotz in ihrer Vollmundigkeit. Von wegen sichere Polizeifestspiele. Von wegen machbar, keine Einschränkungen, bezahlbar und wiederholbar.
Verzockt.
Nunmehr hektisch. Da muss doch noch eine Seite im Drehbuch zu finden sein. Ah ja, ganz hinten, leicht zerknittert. Wir haben fast alle Polizisten aus diesem Land in einer Stadt zusammengezogen. Wir waren so gut vorbereitet. Wir haben alles Geld in die Hände genommen. Aber damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Vielleicht 60, vielleicht 160, aber bestimmt nicht mehr als 200 Schwarzgekleidete. Morgens um 7.00 Uhr. Wer konnte damit rechnen. Um diese Uhrzeit. UG bei G20Gegen 21000 total erschöpfte Polizisten. Heldenhaft retteten dann zusätzliche 1000 Sonderpolizisten die Stadt und den Gipfel. Immerhin. Das Grauen ist vorbei. Aber die Kanzlerin lächelt. Weltpolitik. Niemand und keine Sachen der großen Politik sind zu Schaden gekommen. Na ja, Kleinigkeiten. Den Scholz hat es zerlegt. Na ja, den Innensenator auch. Aber die sind ja von der SPD und nicht so systemrelevant. Na ja, den erkorenen Polizeieinsatzleiter auch, aber dem soll es ja gesundheitlich nicht so gut gehen... aber die Gesetze würden sich jetzt gut zusammen mit der SPD, mit dieser SPD, verschärfen lassen.
G20 eine Erfolgsgeschichte! Da zählen dann 71000 auf der Abschluss­demonstration dann nicht mehr. Und mit grenzenloser Solidarität kann man seitens der CDU, der SPD und der Führung der Grünen auch nichts anfangen, wirklich. Die haben sich einfach nicht spalten lassen.