G20 in Hamburg-Stichwort "cornern". Meistens abends wird sich in bestimmten Teilen St. Paulis oder Altonas zum „Cornern“ verabredet. Viele, meist Jugendliche oder jüngere Erwachsene treffen sich an Straßenkreuzungen und bestimmten Ecken, um dort zu cornern. Zentraler Punkt dort ist ein Kiosk, der bis spät in die Nacht oder durchgängig geöffnet ist.

In Berlin würde so ein Ladengeschäft "Späti" heißen, hat jedoch in der Bundeshauptstadt eine andere, eine Dienstleistungsfunktion, die noch aus vergangenen DDR-Zeiten stammt. Ehemals demzufolge im Ostteil der Stadt hauptseitig zu finden, nunmehr in ganz Berlin verbreitet.  Hier finden sich von Snacks und Tabakwaren, viel Bier und anderer Alkoholika, Erfrischungsgetränke und sogenannte Artikel des täglichen Bedarfs. Dieses Angebot ist in den Hamburger Quartieren ebenfalls zu finden – der soziale Hintergrund ist etwas anders. Der rot-grüne Senat hat die sogenannte Aufwertung der Stadtteile verordnet, Mietsteigerungen, Eigentumswohnungen und Edelfress-Schuppen verdrängten die besungene Idylle vom Herz von St. Pauli. Wurden Kneipen ehemals Kaschemmen genannt und gab es die Melange aus Rotlicht, Neon und dunklen Ecken, Wohnraum für Hafenarbeiter, Bootsleuten und "leichten Mädchen", so gilt es heute als 'très chic', dort in Lofts oder edlen Neubauten und herausgeputzen Gründerzeithäusern zu wohnen.
Für eine gutverdienende Mittelschicht. Zudem viel Geld mit den weiterwachsenden Touristenmassen verdient. Für die Jugend gibt es eine breite Clubszene, aber diejenigen, die das dafür notwendige Kleingeld eben nicht übrig haben, bleibt >cornern<.
Diese Jugend ist den etablierten Unternehmungen ein Dorn im Auge, sind nicht die großen Umsatzbringer und haben mit dem Kiez-Verständnis ihres Umfelds eine kritische Haltung zu Stadt- und Bundesregierung, zu Geldadel und konventionellen Lebensformen. Daher dort antifaschistische Kundgebungen, Proteste gegen Gentrifizierung und letztlich ein linkes, antikapitalistisches Lebensgefühl.
Zum Missfallen von Polizei und ihren Einsatzleitern, die gerne 'volles Rohr' draufhalten, wenn es gegen die Szene geht. Grundsätzlich immer, aber ganz besonders gerne auch zu G20-Zeiten.