Die Bürgerinitiative "Dicke Luft Herne" lädt am Mittwoch, den 21.2.2018 um 18 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ein. Ort: Kleingartenvereinsheim Löns-Mühle, Hofstederstr. 24, Herne

Anwohner und Umweltschützer sind mächtig sauer, es stinkt zum Himmel: erneut ein Antrag der Fa Suez auf Kapazitätserweiterung der Anlage mit allen Tricks, nun der 22. Antrag seit 1995. Mitten im Wohngebiet hätte die Anlage so nie gebaut werden dürfen. Deklariert ist sie offiziell als „Bodenreinigungsanlage“. Seit 2013 werden dort neben Bohrschlämmen auch „freigemessener“ Bauschutt aus dem AKW Würgassen verbrannt, Umweltschützer befürchten radioaktive Belastung, wie immer wiegelt die Firma ab. Jetzt besteht die Befürchtung, dass künftig auch Bohrschlämme von Fracking-Bohrungen aus Niedersachsen herangekarrt werden, mit Zustimmung des Landesministeriums. Kein Giftmüll-Tourismus, Stop der geplanten Kapazitätserweiterung: dies sind die Forderungen der neu gegründeten Bürgerinitiative, die sich längerfristig auch für die komplette Schließung der Anlage einsetzt.

Über 40 Menschen kamen zum Gründungstreffen, die Bürgerinitiative ist mit Vertretern von Umweltorganisationen wie BUND, Umweltgewerkschaft und verschiedenen Parteien breit aufgestellt und gibt sich kämpferisch und bewusst überparteilich. Sofort wurde eine informative Homepage eingerichtet: www.dickeluft-herne.de.
Empört sind die Bürger auch deshalb, weil Herne und Gelsenkirchen schon jetzt an der Spitze der Krebserkrankungen stehen. Kontakt besteht auch zu der Essener Bürgerinitiative „gegen den Giftmüll-Schredder in Kray“, die nach 20 jährigem Widerstand die Schließung der Anlage erreichen konnte. Geduld und Ausdauer im Kampf sind notwendig. Unterstützung kommt auch von der Umweltgewerkschaft Gelsenkirchen, da die Luftvergiftung natürlich auch die umliegenden Städte nicht verschont.

Geplant ist zusätzlich auch noch eine weitere Umweltvergiftung: auch die Zentraldeponie Emscherbruch der AGR (Abfallentsorgungsgesellschaft Ruhrgebiet) in Gelsenkirchen und Herten plant eine Kapazitätserweiterung von 4,6 Millionen Tonnen. Ursprünglich sollten es nur Haus- und Gewerbemüll sein, jetzt sind aber auch 1,5 Millionen Tonnen mit Giften belasteter Sondermüll eingeplant. Kritiker bezeichnen die riesige Deponie als „das Klo des Ruhrgebiets“. Seit ihrem Bestehen wehren sich die Anwohner dagegen, 1987 kam es zu einem enormen Widerstand, sogar mit großer Unterstützung der ev. Kirche gegen die vorgesehene Einlagerung von Giftmüll. Lärm, Staubbelastung und Vergiftung des Grundwassers sind die üblichen Folgen für die Anwohner, die täglich die Deponieberge vor Augen haben. „Irgendwo muss der Müll doch hin, es fehlen alternative Standorte“, sagt die AGR. Was aber wirklich fehlt, ist eine Politik und Wirtschaft mit Orientierung an Müllvermeidung, dass Giftstoffe aus der Produktion herausgenommen werden, dass auf eine langlebige und nachhaltige Güterherstellung gesetzt wird, statt auf kurzfristigen Verschleiß und Höchstprofit. Eine grundlegende Veränderung ist notwendig. Empfehlen möchte ich das Buch Katastrophenalarm von Stefan Engel, weil es auch die „Vermüllung und Vergiftung“ der Welt als einen der Hauptfaktoren für die rasch fortschreitende Entwicklung zu einer globalen Umweltkatastrophe untersucht, Alternativen aufzeigt und Mut macht.