Die Andritz AG ist einer der weltweit führenden Konzerne in Sachen Wasserkraft und Zellstoff. Während das österreichische Unternehmen als wirtschaftlich äußerst erfolgreich und als eines der Vorzeigeunternehmen an der Börse gilt, steht der Name Andritz international für rücksichtslose Umwelt- und Sozialpolitik. Andritz ist dabei nicht nur der klassische Auftragnehmer, sondern häufig auch eine treibende Kraft.

Indios besetzen Andritz-Projekt Belo Monte (Bild: EPA (FERNANDO BIZERRA JR))Besonders verheerend dabei ist die boomende Wasserkraft-Sparte des Unternehmens. Der Konzern beteiligt sich an den drei umstrittensten Staudammprojekten der Welt. Neben den bekannten Projekten Ilisu/Türkei und Belo Monte/Brasilien, ist Andritz seit 2012 auch beim Bau des Xayaburi Damms in Laos dabei. Damit erhöht Andritz seinen Profit, aber auch das Leid hunderttausender Menschen, bedroht die Existenz der Artenvielfalt in Klein- und Südostasien und Brasilien und zerstört einmalige Landschaften.

Laut eigenen Angaben auf ihrer Homepage sagt die Andritz AG folgendes zum Thema Nachhaltigkeit: „Die ANDRITZ AG bekennt sich zur Nachhaltigkeit. Für uns schließt dieser Begriff umfassende Umweltschutzmaßnahmen ein, geht aber gleichzeitig über diese hinaus. Wir sind der Überzeugung, dass nur Unternehmen, die auch ihren sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Verpflichtungen nachkommen, nachhaltig arbeiten können.“ Zitat aus: http://www.andritz.com/de/group/gr-about-us/gr-sustainability.htm (23.02.2013)

Das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit der Andritz AG ist nichts als eine leere Worthülse angesichts der zerstörerischen Projekte, an denen sich die Firma beteiligt. Dass Andritz dabei skrupelloser ist als andere Firmen, zeigt das Beispiel des Ilisu Staudammprojektes in der Türkei. Nach zweijähriger Prüfung empfahlen Deutschland, Österreich und die Schweiz im Juni 2009 allen Beteiligten den Ausstieg. Die europäischen Banken und Baufirmen folgten dieser Aufforderung. Nur Andritz widersetzte sich der Aufforderung und übernahm zudem noch die Aufträge jener Unternehmen, die sich zurückgezogen hatten. Vor kurzem zeigte sich erneut, wie verheerend das Projekt ist: Im Januar 2013 verhängte der Oberste Gerichtshof der Türkei einen Baustopp, weil die – ohnehin laschen – Umweltgesetze der Türkei nicht eingehalten wurden.

Die Menschheit steht an einem Scheideweg: Die Lebensgrundlagen und die Zukunft der heutigen und zukünftiger Generationen sind existenziell in Frage gestellt. Wie kann die Umweltbewegung eine Überlegenheit gegenüber den Hauptverursachern erreichen? Dieses Ziel erfordert eine neue Qualität der Umweltbewegung und damit auch ihrer Organisiertheit. Auf diesem Hintergrund möchten wir euch die Idee einer Umweltgewerkschaft vorstellen und zur Diskussion anregen. Umweltschutz und Arbeitsplätze werden demagogisch gegeneinander ausgespielt.

Ähnlich existenziell wie sich die Arbeiterinnen und Arbeiter vor mehr als 150 Jahren zu Gewerkschaften zusammengeschlossen haben, um sich gegen soziale Ausbeutung zu verteidigen, würde eine „Umweltgewerkschaft“ zur Verteidigung der Lebensgrundlagen der Menschheit der heutigen Dramatik entsprechen.

Eine Umweltgewerkschaft ist keine Konkurrenz, sondern Ergänzung zu den bisherigen Gewerkschaften, in denen wir weiter aktiv arbeiten.