Hubert Bauer, Delegation der UG beim cop22

IMG 20161106 WA0002Auftakt – Delegation findet sich trotz Widrigkeiten

Heute morgen kamen wir gegen 10.30 Uhr in Marrakesch an. Wir fanden eine in 3 Wochen stark veränderte Stadt vor. Rund um die großen Hotels und Säle, sowie die Straßen zum großen „cop 22 -Village“ sind nun vom Plastikmüll akribisch entsorgte botanische Anlagen. Vor 3 Wochen sprachen wir mit Arbeitern, die einen Brunnen bohrten. Sie erzählten, dass der Grundwasserspiegel früher bei 9 Meter lag und inzwischen auf ca. 100 Meter abgesunken ist. Deshalb sterben in Marrakesch alle Palmen ohne Bewässerung. Die Bewässerung selbst ist aktuell für den cop so, als gäbe es keine Wasser-Probleme. Für das gigantische Showevent müssen die tatsächlichen Umweltprobleme zurückstehen.

Es gelang uns, bis zur Akreditierung der UN die Sicherheitskontrollen zu passieren. Dort erfuhren wir, dass heute nur die offiziellen UN-Vertreter der blaunen Zone registriert werden. Die Aufsicht über diesen wichtigen Organisationsschritt hatten Deutsche. Von daher war die Verständigung dann leicht. Für die grüne Zone, in der die Begleitveranstaltungen des cop stattfinden sollen, wird erst morgen akreditiert werden, erfahren wir nach viel Fragerei. Das versuchen wir. Die persöhnlichen Akreditierungsversuche via Internet haben wohl alle von uns unternommen, aber keiner erhielt Antwort. Morgen wollen wir da persönlich vorsprechen.

IMG 20161029 WA0001Nach Abgabe unseres Mietwagens erfuhr ich, dass es einen Wasserschaden im Riah Hannah, dem Übernachtungsriad unserer Delegation geben soll. Zwei E-Mails verkünden eine Stornierung. Da ich 4 Buchungen gemacht habe, möchte ich morgen erst herausbekommen, welche. Wir müssen um diese Übernachtungen (auch wenn die 2 Doppelzimmer für die Einzelpersonen Maria und Erich teurer sein würden) kämpfen. Ein Blick in Booking.com zeigt, dass es in diesen Tagen so gut wie keine freien Betten mehr gibt. Nur noch Einzelschlafplätze in gemischen 8-10 Bettenzimmern. Das will ich niemandem zumuten, kann aber die letzte Lösung sein.
Das Riad soll uns Ersatz besorgen, wird morgen meine Forderung sein.

Die Abholung war eine regelrechte Katastrophe. Die Anreise der vielen cop-Leute bringt die bürokratischen Strukturen in Marrakesch an ihre Grenzen. Rudi kam erst etwas mehr wie 2 Stunden nach Landung aus dem Flughafen, aufgrund der überforderten Kontrollen. Wir warteten weitere 15 Minuten und mußten dann weg, da eine weitere Riadgastfrau auch versorgt werden mußte. Eine verwirrende E-Mail von Karin lies den Verdacht wachsen, sie wären in Frankfurt/Main hängengeblieben, da sie Frankfurt-Hahn als Ryanair-Stützpunkt nicht kannten.

IMG 20161108 WA0002Nachdem das Eincheken und Anmelden im Riad für Rudi geklappt hatte, tauchen die zwei zum Glück dann doch noch auf. Sie haben sich wacker durchgeschlagen. Hatten über 2,5 Stunden gebraucht durch die Formalitäten. Wir gingen zusammen essen und sie akzeptierten ihr Los, in der ersten Nacht sich ein Dreibettzimmer teilen zu müssen. Sie waren von ihrer umständlichen Anreise reichlich geschafft.

Ausblick:
Heute gilt es zunächst für uns 2 Langzeitbleiber die endgültige Herberge zu beziehen. Dann treffen wir uns mit den Anderen um gemeinsam uns das cop22-Gelände anzuschauen und einen erneuten Versuch zu starten der Akreditierung für die Grüne Zone.
Mit der Herberge Riad Hannah ist zu klären, was den nun storniert ist und dafür Ersatz zu organisieren.
Dann werden wir uns wohl aufteilen müssen. Heute soll ja eine Veranstaltung des „redacop22“-Bündnises sein. Wir wissen nur Ort aber keine Zeit. Gabi sollte Kontakt bekommen zu Aktivisten hier. Das hat bisher aber auch noch nicht geklappt.
Ich werde diesmal selbst die Abholung organisieren. Es wird noch komplizierter, weil es 2 verschiedene Flüge und Ankunftszeiten sind.
Wir müssen ein bischen Zeit für die Eingewöhnung unserer Leute berücksichtigen. Der eigentliche cop22 beginnt ja erst Montag. Wir haben auf der meist in arabisch und nur stellenweise französisch-sprachigen Homepage gelesen, dass der redacop22 seine Teilnahme an der Grünen Zone absagt, da sie nicht bereit sind von ihrer Kritik an dem Pariser Vertrag und dem umweltzerstörerischen Charakter des Kapitalismus abzuweichen.
Welche alternativen Schritte nun geplant sind, hoffen wir in Erfahrung zu bringen.

IMG 20161108 WA0008Die Stadt ist voller Menschen, die wegen des cop angereist sind. Wir werden sicher viele interesante Erfahrungen machen können. Allein diese große Show aus nächster Nähe erleben zu können wird helfen unsere Kritik an diesen UN-Konferenzen vertiefen zu können.

Größter unbekannter Faktor ist, ob die vorallem in den nordafrikanischen Küstenstädten ausgebrochenen Unruhen in Marrakesch spürbar werden. Jede Menge Marrakschis (so nennen sie sich selbst) sind stolz darauf, Austragungsort zu sein. Überall ist die marokanische Flagge gehisst (auch an Privathäusern) und alle Taxis haben cop 22 – Aufkleber. Es gibt eine Hoffnung, der cop mache Marrakesch touristisch noch bliebter. Nachfragen wegen des ermordeten Fischverkäufers wurden von den tourisch ausgerichteten Leuten hier (Taxifahrer, Herbergsbeschäftigte etc. mit denen wir heute vorrangig zusammenkamen) eher abgetan als „Probleme des Nordens“. Wir werden es erleben...