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borkum 320 Naturfuehrer A2 Titel RGB

Liebe Leser:innen,

Während unseres Borkum - Aufenthaltes konnten wir einen interessanten Vortrag der Biologin Claudia Thorenmeier besuchen.

Sie berichtete anschaulich über das Leben der Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale auf Borkum, sprach aber auch einige Umweltprobleme an wie den Plastikmüll oder die Überfischung. Wir können Ihnen Vorträge von ihr nur empfehlen.

Sie hält sie auch oft in der Klinik der Knappschaft vor Bergleuten und anderen Reha-Patienten, vielleicht kennen sie also schon einige unserer Mitglieder.

Ihr Buch heißt 'Borkums Schätze der Natur' ( siehe Bild)

Wir hatten am folgenden Tag Gelegenheit für ein Interview mit Claudia.

 

1. Hallo! Du hältst Vorträge über die Flora und Fauna und Tierwelt Borkums. Was ist dein Ansporn? 

Claudia: Ich habe gleich nach dem Abitur schon auf Sylt Besucher*innen geführt und war auch  Vogelwartin auf Wangerooge. Der Leitspruch der Umweltbildung ist: 'Was man nicht kennt, schützt man nicht.“ Das ist auch mein Ansporn.  Es macht mir großen Spaß, wenn ich Kindern und Erwachsenen die Schönheit und Vielfalt der Natur vermitteln kann, so dass sie sich nicht mehr z.B. vor Quallen oder Insekten ekeln. Wenn ein Kind einen Seestern in anfassen darf, das ist schon was anderes, als sich Patrick bei Spongebob im Fernsehen anzuschauen.  Besonders das Ökosystem Borkums ist einmalig und schützenswert mit dem sehr gesunden Hochseeklima, dem Wattenmeer, dem  Nationalpark und der Süsswasserlinse unter der Insel.  Dieses Süßwasserreservoir hat sich im Untergrund   der Insel gebildet und wird nur durch das Regenwasser aufgefüllt.  

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2. Was bedroht Borkums Ökosystem und wie können wir dem entgegenwirken?

Claudia: Borkum hat zunächst die Bedrohungen, die alle Küstenregionen aufgrund der Klimaerwärmung haben. Sollte der Golfstrom sich weiter abschwächen, wird es auch hier deutlich kälter und das einmalige Klima, das vielen Allergikern und hautkranken Menschen gut hilft, könnte verschwinden. Der Meeresspiegelanstieg und höhere Sturmfluten ist bei uns auch ein grosses Thema. Auf dem Bild seht ihr den oberen Bereich der Strandpromenade, deren Schutzmauern vor 10 Jahren um bis zu 2 Meter erhöht wurde.Eine weitere allgemeine die Überfischung der Meere. Wenn man heutzutage eine Thunfisch Pizza isst, kann man auch direkt eine Orang - Utan Pizza essen., da der Thunfisch inzwischen ähnlich selten ist. Zu den Labeln bei Fischen wie ASC oder MSC stehe ich auch kritisch, Fangverbote wären besser. Aber wenn Fisch, dann sollte er gelabelt sein, oder man orientiert sich am WWF - Fisch-Führer. Dieser zeigt, welcher Fisch aus welcher Region überhaupt naturverträglich gefischt wird und ist daher sinnvoll.

Thunfisch oder Lachsfarmen verlagern hingegen nur das Problem und sind keine Lösung. 

Eine weitere grosse Bedrohung ist die zunehmende Vermüllung der Meere mit Plastik, auch mit dem immer kleineren Mikroplastik. 

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Viele Tiere verheddern sich in Plastikringen, wie auch teils unsere Kegelrobben. Oder sie verwechseln es mit Futter und denken dann, sie wären satt, weil der Magen voll mit Plastik ist.

Vor einigen Jahren Im Januar 2019 verlor derContainerfrachter MSC Zoe  im Sturm Fracht, so dass auch auf Borkum Flachbildschirme, Plastikblumen, Kissen, Plastikspielzeug etc. hier an den Strand geschwemmt wurden. Im Sommer wird der BadeStrand ordentlich gesäubert, aber im Winter sieht man als Inselbewohner das ganze Ausmaß der Vermüllung. Hier werden auch Paraffinklumpen angespült, die bei der Reinigung von Schiffstanks ins Meer gelangen und Giftstoffe enthalten können. Verschiedenen Umweltschuztorganisiationen setzen sich dafür ein, dass die Verursacher zur Rechenschaft gezogen werden und die Inseln nicht mit der Strandreinigung alleingelassen werden  Gegenüber Borkums steht an der niederländischen Küste ein Kohlekraftwerk und die Niederländer wollen Erdgas vor Borkum fördern, was auch eine ständige Bedrohung ist.

Die grossen Windanlage Offshore-Windparks machen auch Sinn, doch auch dort herrscht reger Schiffsverkehr und es könnte zu Unfällen kommen. 

Durch die Meereserwärmung ändert sich die Artenzusammensetzung der Nordsee, z.B. wandert der Kabeljau weiter nach Norden und wärmeliebende Arten aus dem Süden wandern in der Nordsee ein. Die Trockenheit bedroht unser Süsswasserreservoir und könnte zu Wasserknappheit führen. Und damit wären wir beim Tourismus, denn das Wasser reicht natürlich nur für eine gewisse Anzahl Menschen. Der Tourismus ist sehr willkommen und  fast alle hier leben davon. Er sollte aber naturverträglich stattfinden.

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3. Wie können wir diesen Bedrohungen entgegenwirken?

Claudia: Vor einem Jahr sollte ein grosses, neues Hotel hier gebaut wurden. Das wurde durch eine Bürgerinitiative und einen Bürgerentscheid verhindert.

Es ist nötig, sich für den Schutz der Umwelt aktiv einzusetzen. Durch die FFF Bewegung und Greta Thunberg ist das Bewusstsein über Umweltfragen stark gewachsen, worüber ich mich sehr freue. 

Es braucht ein anderes Verkehrskonzept Naturstrom sollte verwendet und gefördert werden. Unser Stadtrat beschloss, dass Borkum bis 2030 emissionsfrei werden soll. Das finde ich richtig und gut. 

 Das Konzept der Umweltgewerkschaft kannte ich vorher nicht, doch auch das finde ich einleuchtend und einen interessanten Ansatz. 

 
4. Gibt es einen Zusammenhang zu unseren Themen und der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands? 

Claudia: Ja auf jeden Fall. Der Hochwasserschutz muss ernst genommen werden. Hier an der Küste ist das schon lange Thema und die Deiche werden immer wieder erhöht und verstärkt wurden in 2019 nochmals verstärkt. 

Ich komme ursprünglich vom Festland. Dort sind fast überall in den letzten Jahrzehnten die Auwiesen verschwunden, immer mehr Flüsse werden begradigt und Land versiegelt, so dass die Landschaft keine Hochwasser mehr verkraften kann. Hier in Borkum sehen wir, wie die Natur in ständiger Bewegung ist und lassen das hier im Naionalpark auch zu. So bahnt sich derzeit direkt am Hauptstrand an, dass sich die Sandbank verlagert und die Bucht schließt.  In diesen natürliche Vorgang kann und sollte man nicht eingreifen. Man kann nicht so weit in die natürlichen Abläufe eingreifen. 

Vielen Dank für das Gespräch. 

--- [17.9.2021: Korrektur] ---

 

 

 

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