Die sieben unbequeme Wahrheiten der Bild-Zeitung über die deutsche Klimapolitik

(Antwort auf die Bild-Zeitung vom 25.10.2018)

181103 Karikatur Bildzeitung

Kampf um jeden Arbeitsplatz und Umweltschutz!
Die Sorge um die Arbeitsplätze ist voll berechtigt. Die Erfahrung der Arbeiterbewegung zeigt, dass nur durch Kampf eine Verteidigung der Arbeitsplätze möglich ist. Schon seit Jahren - keineswegs erst nach dem Rodungsstopp - greift der RWE-Konzern im Kampf um die beherrschende Rolle im europäischen Energiemarkt Arbeitsplätze, Arbeitsbedingungen und Löhne der Beschäftigten an. Schon Mitte Juli 2016 kündigte RWE an, bis 2020 weitere 1.600 Arbeitsplätze im Braunkohlerevier zu streichen, nachdem zwischen 2015 und 2016 bereits 580 Stellen vernichtet wurden.
RWE hat 2017 knapp sechs Milliarden Euro Gewinn aus seiner Belegschaft und dem Raubbau aus der Natur geschlagen. Deshalb ist es auch richtig, dass die Beseitigung der Umweltschäden und die Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen in der Braunkohleregion auf Kosten der Verursacher - also RWE und Co gehen muss.

Die Bild-Zeitung schreibt: „Der Ausstieg aus der Braunkohle ist nötig, braucht aber Zeit.“ Der Weg in die Klimakatastrophe duldet aber immer weniger Aufschub. Von der drohenden Klimakatastrophe redet die Bild-Zeitung jedoch nicht.

Die Bild-Zeitung schreibt weiter: „Deutschland allein kann die Welt nicht retten.“ Das ist richtig, aber zugleich demagogisch. Denn sie meint damit: So lange die anderen nichts machen, machen wir auch nichts. Die Umweltgewerkschaft organisiert diesen internationalen Kampf.

Die Bild-Zeitung schreibt weiter: „Unser Wohlstand verträgt keinen übereilten Kohle-Ausstieg.“ Durch den Ausstieg aus der Braunkohle-Verbrennung entsteht kein Engpass in der Energieversorgung. Das bestätigt die Bild-Zeitung selber, wenn sie im 5. Punkt schreibt: „Wir produzieren....Grünstrom, den wir oft genug ins Ausland verscherbeln.“

Die Bild-Zeitung schreibt weiter: „Dass nicht mehr Öko-Strom verbraucht wird, liegt in erster Linie daran, dass es keine Batterien gibt, die ihn an sonnigen und windigen Tagen speichern können.“ Das ist zum Teil richtig, aber auch demagogisch. Denn dass Speicher (und nicht nur Batterien) gebraucht werden, ist seit Jahren bekannt. Weiter ist seit Jahren bekannt, welche Speicher man wo benötigt. Statt hier zu investieren, wird in Stromleitungen investiert, um den „sicheren“ Offshore-Strom von der Nordsee nach Süddeutschland zu transportieren.

Die Bild-Zeitung schreibt weiter: „Wer die Kohle jetzt abschaltet, muss sichere alternative Energiequellen nennen.“ und nennt dann „russisches Gas“. Dass Gas endlich ist, weiß auch die Bild-Zeitung, während Sonnenenergie ausreichend vorhanden ist. Man muss sie nur umwandeln wollen und entsprechend Speicher zur Verfügung stellen. Die Umweltbewegung fordert dies bereits seit Jahrzehnten und muss zulegen, um dies auch durchsetzen zu können.

Die Umweltgewerkschaft fordert: Schrittweises und dann vollständiges Ersetzen fossiler Brennstoffe durch regenerative Energien! Energiegewinnung vor allem aus Sonne, Wind, Wasser und Bioabfällen! Senkung der Treibhausgas-Emmissionen um 70 bis 90 Prozent bis zum Jahr 2030 und Absenkung des CO2-Gehalts in der Luft auf 350 ppm! Hier gibt es genug Arbeit für die RWE-Beschäftigten und andere.
Der Solarförderverein (SFV) fordert in diesem Zusammenhang richtig:
- 10.000 neue große Windkraftanlagen an Land statt 10.000 große Höchstspannungsmasten und
- Dezentrale Regionen, die sich zuverlässig selbst mit Strom aus Sonne, Wind und Speichern versorgen können.
Das schafft 400.000 neue Arbeitsplätze bei der Solarenergie, der Windenergie, der Speichertechnik sowie beim Rückbau der Braunkohlegruben statt 20.000 Arbeitsplätze im Braunkohletagebau

Nur der massenhafte aktive Widerstand gegen diese menschenverachtende, zerstörerische Umweltpolitik im Dienste des Finanzkapitals kann die Rodungspläne und Tagebau-Erweiterung zu Fall bringen - nicht das Hoffen auf Einsicht bei RWE, der Bundesregierung, der Landesregierung oder auf einen „vernünftigen Kompromiss“ der "Kohlekommission". RWE ist für seinen Maximalprofit zu jeder Niedertracht bereit; und dass die Regierung auf Seite von RWE steht, ist kein zufälliger Betriebsunfall, sondern Ausdruck des Staatsmonopolitischen Kapitalismus.

Das erste Treffen zur Koordinierung ist am 5.11. um 19 Uhr 15 im Forum 3 in Stuttgart Mitte.