Protest-Delegation der Umweltgewerkschaft in Katowice/Polen zur Weltklimakonferenz-2018 (COP24)

Tagesbericht 8  (mit Bildern),    9.12.2018

 

 „Mein Optimismus speist sich nicht aus der Klimakonferenz, sondern aus den Menschen, die ich drum herum treffe!“

 Liebe Umweltfreund*innen in Deutschland,

zur gestrigen Demo kamen unterschiedlichste neue Umweltaktivisten, über die wir gar nicht alle berichten können. Heute am Sonntag bei Veranstaltungen im „Climate hub“ von Greenpeace, stellten sich verschiedene mit ihren Initiativen vor. Besonders beeindruckt haben uns Klimapilger aus Bonn und dem Vatikan, die zu Fuß nach Katowice kamen.

Wir berichten ausschnittsweise und wollen Euch später Links empfehlen: Macht Euch ein eigenes Bild von den Menschen mit denen wir sprechen konnten.

Zuerst zu den deutschen ökumenischen Klimapilgern, die gestern mit uns zusammen bei der Demo liefen. Sie starteten am 9. September in Bonn und zogen an allen Braunkohlegruben in Deutschland vorbei. An den insgesamt 1883 km, die sie pilgerten, nahmen insgesamt 2012 Menschen teil.

In Berlin wurden sie vom SPD-Staatssekretär Jochen Flasbarth empfangen, der zugab, dass Deutschland von heute auf morgen aus der Braunkohle-Verfeuerung in Kraftwerken aussteigen könnte. Von wegen Abhängigkeit von Braunkohle! Die Klimapilger haben erfahren: Deutschland erzeugt soviel Strom, dass er zu Dumpingpreisen zum Beispiel nach Belgien exportiert wird. Es ist dazu eine Tatsache, dass die Windkrafträder einfacher abzustellen sind, als die Kohle- und Atomkraftwerke. Werden Betreiber von Windkraftanlagen bezahlt, dass Propeller stehen, dann ist das keine Subvention der erneuerbaren Energie. In Wirklichkeit werden die unflexiblen, schwer abstellbaren Klimakiller subventioniert.

(Hintergründe zu diesem Thema fanden wir bei: https://www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/fact-sheet/details/news/wie-viele-windraeder-stehen-in-deutschland-still-wird-wirklich-jedes-jahr-mehr-windenergie-abgereg/)

Bei ihren unzähligen Gesprächen, auch mit betroffenen Bergarbeitern, meinte einer der Pilger, die offene soziale Frage sei das Hauptproblem. Von was sollen die Leute leben und wie, nach dem Ende des Braunkohletagebau? Unter 4 Augen erfuhren sie auch von Braunkohleschürfern, dass sie sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder machen, da es immer heißer wird. Die Lasten durch den Raubbau an der Natur, mit Löchern von über 500 Meter Tiefe, zahlen nachfolgenden Generationen. Letztlich würde mehr Energie gebraucht, als je aus den Löchern gewonnen wurde.

Besonders beeindruckend waren für uns ihre Erfahrungen in Polen beim Marsch übers Land. Sie finden es peinlich, welch ein Bild unsere Medien über die Menschen in Polen zeichnen. Sie haben tief bewegende Gastfreundschaft erfahren und sehr nette Freunde. Sicher sei das Umweltbewusstsein nicht so weit bei der Masse der Menschen wie in Deutschland, dennoch hätte sich gerade in den letzten 3 Jahren viel bewegt. Wir müssen als Nachbarn viel mehr über Polen und sein Menschen lernen um die notwendige Freundschaft zu vertiefen. Als UG-Delegation können wir das bestätigen!

(Übersicht über den Marsch von Bonn nach Katowice 2018: https://www.klimapilgern.de/)

Ein 2. Pilgerweg (es gab weitere, die nicht vorgestellt wurden) vom Vatikan nach Katowice stand unter Leitung von Yeb Sano. Er und sein Bruder (Bild von gestern) fielen uns gestern schon auf, durch ihre klaren kämpferischen Worte bei der Auftaktkundgebung der Demo. Yeb Sano war bis zur COP19 der offizielle Verhandlungsführer der Philippinen bei den Klimakonferenzen. Während der COP19, damals in Warschau, raste der Taifun Hayian mit fast 200km/h über die Philippinen hinweg. Als offizielle Todesopfer zählen 6.300 Menschen. Die Sano-Brüder sprechen von 15.000. Dieser Rekordtaifun hat in Asien 11 Millionen Menschen geschädigt. Deswegen sagte Yeb Sano heute, der Kampf gegen die Klimakrise sei eine Frage der Menschenrechte. Er hat bereits bei COP19 Klartext gesprochen: "Wir weigern uns zu akzeptieren, dass unser Leben darin bestehen soll, vor Monsterstürmen zu fliehen, unsere Familien in Sicherheit zu bringen, Zerstörung und Not zu erleiden und unsere Toten zählen zu müssen." Man hat ihn als „Gandhi der Klimakonferenz“ bezeichnet. Nach Warschau hat er seine Stelle als Regierungsbeamter quittiert und setzt sich als Umweltaktivist und Christ rund um die Welt für ein Umdenken und echte Umkehr ein.

In der Diskussion, in der es zuerst schwerpunktmässig darum ging, wie die Kirchenführer für den Kampf ums Überleben gewinnbar werden, brachten wir die Frage des Systemwechsel ein. „Es ist doch keine Frage welchen Glauben man hat. Wir müssen alle aktiv werden, gegen den Kapitalismus, der Ursache der fehlenden Umkehr ist,“ meinte eine Mitgliedsfrau unserer Delegation und bekannte sich als Atheistin. Das wurde von allen 4 auf dem Podium positiv aufgegriffen. Eine junge Teilnehmerin bekannte, auch nicht an Gott zu glauben, aber das Forum „Pilgern fürs Klima“ nutzen zu wollen um breite Massen zu gewinnen. „Genau der Kapitalismus sei das Problem,“ meinte der sehr bescheiden auftretende Yeb Sano. Er bedankte sich für die Frage und forderte den Zusammenhalt von allen Menschen, ob nun religiös bekennend und aktiv oder nicht. Und zwar genau für den notwendigen Systemwechsel und hob seine Hand zur Faust.

Volle Rede von Yeb Sano bei COP19 (2013):

https://www.youtube.com/watch?v=S6RXGGFBdlo

Website der Klimapilger vom Vatikan nach Katowice (englisch)

http://climatepilgrimage.com/updates/

Eine weitere Veranstaltung mit den beiden wurde mitgeschnitten und ins Netz gestellt. Die halbe Stunde könnt ihr auch in Deutschland ansehen. Dort fiel auch das Zitat in unserer heutigen Überschrift des Tagesberichts:

https://www.youtube.com/watch?v=usUer24UHJ4

Zu Wort kam eine weitere Überlebende des Taifun, die Eltern und Geschwister durch den Taifun Haiyan verloren hat. Die 27-jährige Joanna Sustento ist heute Greenpeace-Aktivistin im arktischen Ozean. Sie berichtete berührend vom Ablauf des Tages in dem ihre Welt zerstört wurde. Der Moderator wirkte etwas hilflos, als er wiederkehrend nach ihrem Antrieb und der Bewältigung des Desasters fragte. Joanna selbst war zwischendurch zwar ergriffen, musste weinen und kämpfte um Haltung. Sie erklärte, sich selbst bis zum Unglück keinerlei Gedanken zum Klimawandel gemacht zu haben. Dieser schlimmsten Taifun der Menschheitsgeschichte hätte aber auch die härtesten und entschiedensten Kämpfer gegen die Klimakrise erzeugt.

Kurzvideos über Joanna Sustento (mit deutschen Untertiteln):

https://www.youtube.com/watch?v=2iy-Bmg_tDE

Joannas Aktivität heute bei Greenpeace (englisch):

https://www.facebook.com/greenpeace.international/videos/joannas-witness-statement-against-arctic-oil/1284350215023847/

 181209 COP24 UG Delegat Interview mit Joanna Sustento

181209 COP24 UG Delegation Interview mit Sano brothers

181209 COP24 UG Kontakt aufgenommen mit Sioux Minnesota