Protest-Delegation der Umweltgewerkschaft in Katowice/Polen zur Weltklimakonferenz-2018 (COP24)

Tagesbericht 10 (mit Bildern), 11.12.2018

 

Es ist passiert, also kann es wieder passieren: Das ist der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“ (Primo Levi, Auschwitz-Überlebender)

Liebe Umweltfreund*innen in Deutschland,

innerhalb der Weltklimakonferenz streiten sich gerade die Delegationen aus Saudi-Arabien, Kuweit, Russland und der USA mit dem Rest der Welt, wie der alarmierende Bericht des Weltklimarats (IPCC) bewertet werden soll. Mit „wird zur Kenntnis genommen“, soll eine anerkennende Verabschiedung verhindert werden.

Der Europa-Abgeordnete Sven Giegold der GRÜNEN /Sprecher der Europagruppe GRÜNE macht sich nun wichtig mit der Initiative „Bundesregierung muss 55% CO2-Reduktion ankündigen“. Mit dieser Ankündigung einer Reduktion bis 2030 soll Deutschland die 24.UN-Weltklimakonferenz in Katowice retten.

Das Weltklima selbst wird weder auf die Bewertung des IPCC-Berichts, von welchem Land auch immer, reagieren, noch sich von Ankündigungen der Bundesregierung einschüchtern lassen. Es folgt Gesetzmäßigkeiten. Deutschland hat in den letzten Jahren nicht reduziert, sondern erhöht. Für 2018 wird eine Erhöhung der CO2-Emissionen um 2% allein aus Deutschland berechnet. Das beschleunigt den Treibhauseffekt weiter und feuert gefährliche Rückkopplungsprozesse an, die längst die Grundlagen der menschlichen Existenz auf dem Planeten Erde gefährden. Es helfen keine Petitionen, sondern drastische Sofortmaßnahmen, die auch von der 24. Auflage der Weltklimakonferenz nicht ausgehen werden. Da müssen wir einen internationalen Widerstand gegen die Hauptverursacher der Klimakrise in Konzernetagen, Banken und Regierungen entwickeln.

Den vollkommenen Stillstand der Verhandlungen in der „Spodek“, haben wir heute aus der näheren Ferne von Katowice beobachtet. Wir besuchten die Gedenkstätten im 35 km entfernten Auschwitz. Hier ist eindrücklich zu besichtigen, wie brutal 8000 SS-Offiziere und Soldaten 1,5 Millionen Menschen gequält, gefoltert, drangsaliert und bestialisch ermordet haben. Aufgebaut wurden die Lager für polnische politische Häftlinge und sowjetische Kriegsgefangene. Mit der„deutschen Wertarbeit“ Zyklon-B-Giftgas des damaligen I.G.-Farben-Konzerns (daraus später BAYER, BASF und HOECHST) wurden zuerst sozialistische Soldaten der UdSSR testweise vergast. Dann ging man über zum bestialischsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte: der industriellen Massenvernichtung von Menschen, zumeist jüdischen Glaubens.

Wir wollten das heute im Tagesbericht sinnvoll auswerten, im Zusammenhang mit der tatsächlich möglichen noch brutaleren Menschheitsvernichtung in einer globalen Umweltkatastrophe, wenn den Umweltverbrechern von heute nicht das Handwerk gelegt wird. Wir hatten uns vorgenommen, es nicht so nah an uns herankommen zu lassen, dass es hier schriftlich verarbeitet werden kann. Es ist uns nicht gelungen...

Wir wollen jedem Gewerkschafter, nicht nur den Umweltgewerkschaftern, jedem humanistisch und demokratisch eingestellten Menschen empfehlen, sich in Auschwitz ein eigenes Bild zu verschaffen. Überlebende wie Primo Levi, den wir in der Überschrift zitiert haben, hatten sich das erhofft. Wenn etwas Mut macht aus unserem Besuch, dann der Widerstand und die Solidarität unter den Häftlingen, die dort dokumentiert sind. Hoffnung auch, dass die Besucherzahlen, 73 Jahre nach Zerstörung der Gaskammern durch die SS, jährlich zunehmen. Über 2 Millionen Besucher 2017 helfen, dass dieses ungeheure Verbrechen und seine Täter nicht vergessen werden.

181211 COP24 Willkommen in Auschwitz der Stadt des Friedens

181211 COP24 Sicht auf Lagereingang Auschwitz Birkenau

181211 COP24 Menschenmassen

181211 COP24 Blick in die von der SS zerstörten Gaskammern

181211 COP24 Blick auf zerstoerte Gaskammern