Protest-Delegation der Umweltgewerkschaft in Katowice/Polen zur Weltklimakonferenz 2018 (COP24)

Tagesbericht 3 (mit Bildern),  4.12.2018

 

Greenpeace-Aktivisten berichten über verheerende Waldbrände, die aktuell 25% der weltweiten CO2-Emissionen verursachen

In Katowice ist es heute etwas wärmer gewesen (7ºC) und der anhaltende Nieselregen tut der Luft hier sehr gut. Wir haben uns heute auf eine Veranstaltung konzentriert zu den weltweiten Waldbränden. Veranstaltet von Greenpeace-Russland gab es nach einem dramatischen Videofilm über die Situation in Brasilien, Indonesien und Sibirien, packende Augenzeugenberichte und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse.

 

Greenpeace legt auf diese Fragen einen besonderen Schwerpunkt, da sie bei der Debatte um notwendige Veränderungen gerne als schicksalhafte Naturgewalt abgetan werden. Es ist jedoch die internationale Profitwirtschaft, die zur Erschließung neuer landwirtschaftlich nutzbarer Flächen zündelt. Es hat sich ein verhängnisvoller Teufelskreis entwickelt: die zunehmende Erderwärmung treibt die Feuer an und die zunehmenden Waldbrände eskalieren die Erderwärmung.

Firefighters“ nennen sich die Menschen, die sich den Bränden entgegen stellen. Anton Beneslavskiy war früher Rechtsanwalt in Moskau, wie er erzählt. Durch Brände, die auch in Moskau Todesfälle verursachten, wechselte er seinen Job. Bei Greenpeace Russland ist er nun Projektleiter zum Thema Waldbrände, die insbesondere in Sibirien riesige Flächen vernichten.

Aus Indonesien berichtete Larasati Motovani sichtlich bewegt, mit welch primitiven Mitteln sie die Feuer bekämpfen, die zur Gewinnung neuer Palmöl-Plantagen bewusst gelegt werden. Beim Erzählen von der Situation in ihrem Dorf bricht sie in Tränen aus und muss abbrechen. Menschen aus ihrer Verwandtschaft verloren in diesen Feuern das Leben. Nun reist sie mit einer Greenpeace-Mitarbeiterin für 2 Wochen durch Europa um die menschenverachtende Situation bekannter zu machen. Mit einer digitalen 3-D-Brille erleben wir im Anschluss selbst diese Situation dort auf ihrer indonesischen Insel: Mit wenigen Aktivisten, einfachster Ausrüstung, aber enormer Hartnäckigkeit verteidigen sie ihren Lebensraum gegen Torfbrände.

25% der weltweiten CO2-Emissionen seien verursacht durch die wilden Brände rund um die Erde. Zu dem Schluss kommt eine neue Studie, die Greenpeace morgen im offiziellen COP24-Konferenzarreal vorstellen will. Wir sind heute also Zeugen einer Generalprobe geworden. Nachdenklich und betroffen besprechen wir uns. Zum Thema Waldbrände wussten wir bislang wenig.

Trotz der Brisanz der Themen hat das Greenpeace-Forum nur wenig Teilnehmer. Wir kommen ins Gespräch mit einem Franziskaner-Pater aus dem Vatikan, der für eine katholische Umweltinitiative Beobachter-Status in der Konferenz hat. Er entrüstet sich über das rigorose Heraushalten ziviler Aktivitäten in der offiziellen Konferenz durch die polnischen Veranstalter. Interessiert nimmt er unsere Visitenkarte, Flyer und ein englisches Grundsatzprogramm der Umweltgewerkschaft mit.

Wir haben unseren Bericht heute früher geschrieben um gleich noch an einer Abendveranstaltung teilnehmen zu können. Mit „Extinction Rebellion“ (Aufstand gegen das Aussterben) will sich eine erst in diesem Jahr entstandene internationale Gruppe vorstellen, von der uns verschiedene junge Leute hier vorschwärmten. Was es damit auf sich hat, werden wir dann morgen berichten.

Herzliche Grüße nach Deutschland,

Eure UG-Delegation in Katowice

 181204 COP24 UG Delegation mit indonesischer Feuerkaempferin bearb

181204 COP24 Larasati Wido Motovani berichtet tiefbewegt vom Kampf gegen die Feuer in Indonesien

181204 COP24 UG Delegation vor Firefighters Transparent 2

181204 COP24 auch ein Welttreffen heuchlerischer internationaler Monopole wie der Telekom