Protest-Delegation der Umweltgewerkschaft in Katowice/Polen zur Weltklimakonferenz-2018 (COP24)
Tagesbericht 5 (mit Bildern),   6.12.2018

Umfrage: „Klimawechsel ist zwar wichtig, dringlicher ist die Frage des Smog in Katowice“

Was denken die Menschen hier eigentlich zu Klimawandel? Was wissen sie über die 24.Weltklimakonferenz in ihrer Stadt? Welche Ansichten, Meinungen und Sorgen haben sie? Dem wollten wir heute spezieller nachgehen.
Dazu trennten wir uns. 2 fuhren mit der Straßenbahn nach Gliwice, zu deutsch: Gleiwitz.

Dort steht nicht nur der Funkmast, den am 31. August 1939 eine Gruppe von SS-Männern überfallen haben, die sich als polnische Partisanen verkleidet hatten. Das war der Vorwand für den deutschen Überfall auf Polen, der den II.Weltkrieg eröffnete. Dort steht heute auch ein 1998 eingeweihtes Opel-Werk, in dem der Astra produziert wird. Wir wollten Kontakte herstellen zu Arbeitern dort und erfahren, wie sie zur Weltklimakonferenz stehen. Menschen dort zu treffen war allerdings fast unmöglich. Das Werk liegt außerhalb der Stadt. Die Belegschaft kommt aus dem weiten Umfeld und besteht zu großen Teilen aus Beschäftigten bei Subfirmen und Leiharbeitern.
Wir treffen einzelne, die aber große Furcht haben, etwas von ihrer Arbeit zu erzählen. Der Pförtner verwies uns an eine Außenstelle, die uns wiederum die Email eines für Umweltfragen zuständigen Sprechers von Opel gab. Dort sollen wir uns melden. Wir wollen versuchen über diese Adresse ein Gespräch und eine Werksführung zu bekommen.
Die anderen 2 begleiteten einen Leipziger Studenten durch die Innenstadt von Katowice, der für eine „Feldforschung“ Interviews machte. Die Antworten auf seine Fragen interessieren uns auch brennend: „Was halten sie von der Weltklimakonferenz?“ „Wie erleben sie Klimawandel?“ „Was wollen sie dagegen tun?“
Viele Reaktionen waren verblüffend: Nur Einzelne waren bereit in sein Diktiergerät zu sprechen. Eine Journalistin mit ihrer Freundin, mit Baby im Kinderwagen, war äußerst nervös. Reden ja, aber ohne Mikrophon. Sie findet die Konferenz sehr wichtig und bedeutend. Allerdings ist es ihr peinlich was der polnische Präsident bei der Eröffnung dazu sagte. Sein Tenor war: „Die Kohle ist Polens Schatz, mit dem machen wir was wir wollen!“ (sinngemäß). Bei der Regierung wäre wenig Hoffnung auf Veränderungen, die gerade dringend wären um das Weltklima zu verbessern. Sie könnten allerdings nichts machen, das sei alles zu gefährlich im Moment.
Jugendliche zwischen 10 und 16 bekannten, keine Ahnung zu haben, was die da reden. Sie würden sich dafür aber auch nicht interessieren, so als ging es um eine Sportart von der sie nichts halten. Wir haben auch die Zeitungs-Berichterstattung zur COP24 recherchiert, fanden aber bisher keinerlei Artikel in verschiedensten Zeitungen.
Mehrere fanden den Smog in Katowice als das dringlichere Problem. Das vertreibt die Menschen und schadet dem Geschäft, meinte ein Buchhändler, der als einziger Zusammenhänge zwischen der in Katowice sehr unerträglichen Luft in den Wintermonaten und den weltweiten Auswirkungen der CO2 Emissionen erkennen konnte. Was sie machen will, fragten wir eine, die sich beklagte über den Smog. Ihre Antwort: „In Schweden leben, oder in Japan.“ Da war sie schon gewesen und da sei die Luft viel, viel besser.
Zur Demo am Samstag zum Weltklimatag haben inzwischen über 1400 Menschen bei facebook ihre Teilnahme angekündigt. Die Greenpeace-Organisatoren rechnen mit bis zu 1000, wenn viele Konferenzteilnehmer mitmachen. Das wäre ein Erfolg, es sei halt in Katowice sehr schwierig mit dem Thema.
Soweit für heute. Wir freuen uns über den Zuwachs, den wir bekommen haben. Ein UG-Mitglied kam heute Abend an. In der Frühe konnten wir eine weitere Delegation aus Deutschland begrüßen, die die ICOR als internationale Koordination für revolutionäre Organisationen bekannter machen will. Vielleicht können wir einen kleinen Block auf der Demo bilden…

181206 COP24 Fassade der Stadtverwaltung

181206 COP24 Detail des Wandgemaelde

181206 COP24 Katowice Morgensmog

181206 COP24 Kohlen in Vasen