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Tag 8, 6.12.2019

 

Polizeihubschrauber am frühen morgen – was ist das?

Heute ist Feiertag in Spanien – der Nationalfeiertag zur Verfassung der Republik (Día de la Constitución)
Dazu gab es die erste Demonstration um 12 Uhr gegen die Monarchie, für die Rechte der Arbeiter, für soziale und politische Rechte, und die Unabhängigkeit des Volkes, zur Freilassung politischer Gefangener, zu der eine linke republikanische Partei aufgerufen hatte.

manifestacion emmergencia

Die Klimademo "manifestacion emmergencia", zu der wir wollen, fängt am frühen Abend um 18 Uhr statt.

Was für eine machtvolle Demonstration! Wer hat behauptet, dass die Spanier Umweltmuffel sind?
Wie kommen denn dann so viele Menschen hier zusammen? "Zehntausende" ist bei ZDF-News zu lesen, uns kommt es aber riesig vor. Es geht nämlich nicht in 6er Reihen, sondern über die ganze breite Straße und es dauert über eine Stunde, bis sich alle eingereiht haben und wir uns in Bewegung setzen. Von den Veranstaltern wird die Teilnehmerzahl mit 500.000 angegeben, 5x soviel, wie erwartet wurde.Die Zahl wird später wieder relativiert...Act Now
Viele Gruppierungen tragen lange Banner,die zeigen, dass die Umweltfrage in allen gesellschaftlichen Bereichen angekommen ist.

Es gibt einen katholischen Block, Bürgerinitiativen aus weit entfernen Landesteilen, Atomkraftgegner, und alle die, die schon angekündigt waren. Die beiden Gewerkschaftsblocks von der linken Gewerkschaft UGT und der anarchistische Gewerkschaft CNT sind leider nicht so groß, wie wir es uns gewünscht hätten. XR hat einen großen Block und F4F auch. Überhaupt, es sind sehr viele junge Menschen unterwegs.
Uns fällt auf, dass die Banner und Parolen viel antikapitalistischer, antiimperialistischer oder antimonopolistischer sind als bei uns, jedenfalls viel kämpferischer.

UG in Madrid 2 COP25Wir treffen noch 3 Mitstreiter aus Deutschland von der ICOR und überlegen, zusammen zu bleiben.
Frühzeitig sind wir am Startpunkt der Demo gegenüber vom Hauptbahnhof. Aber auch nicht die ersten. Sobald unser Transparent ausgerollt ist, werden wir von smartphones und Mikros umzingelt. Radio Nacional Espagna, Radio de Madrid, die spanische Zeitung ABC, ein Sender mit weltweiter Ausstrahlung und ein freier Journalist machten mit Elvecia Interviews.

Unsere 800 Flugblätter sind schnell vergriffen. Und die Leute kommen zu uns, um sie sich geben zu lassen! Ein Journalist von ARD beobachtet das Ganze, es interessiert ihn aber nicht.
Mit unserem Grußwort fragen wir bei Gruppen nach, die eine Mikroanlage dabei haben, ob wir sie kurz benutzen dürfen. Elvecia versucht, sie vorzutragen, aber die Demo ist so laut mit Parolen und Trommeln, dass sie nicht zu verstehen ist.

Später erleben wir noch, warum uns so eindringlich vor der Polizei gewarnt wird. Immer wieder jagen sie junge vermummte – wir nehmen an, Autonome - quer durch die Demonstration und man weiß nicht, wo sie auftauchen. Die Polizei behandelt sie mit erschreckender Brutalität. Ein paar mal müssen wir an den Rand flüchten, um aus der Gemengelage heraus zu kommen. Demonstranten stellen sich schützend um teilnehmende Kinder und helfen sich gegenseitig, in Deckung zu kommen.
Wir sind sehr auf der Hut und bleiben eng zusammen. Eine Deutsche, die schon 30 Jahre in Madrid wohnt, registriert unser Entsetzen und empfiehlt uns weiter zugehen, so ginge es in Madrid immer zu.

Am späten Abend: Vollkommen erschöpft aber glücklich sind wir wieder in unserer Ferienwohnung.

crisis climatica  UG in Madrid COP25

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