Zu den Ortsgruppen:

bitte ganz nach

unten scrollen

 

"Auf einer hügeligen Landzunge erstreckt sich der Kern des beschaulichen Fischerstädtchens Quintero... An den idyllischen Badebuchten und pittoresken Sandstränden erholen sich die Besucher...", so lesen wir auf einer Tourismus-Webseite. VOR 60 JAHREN war das wohl zutreffend. Heute ist die Region um die zwei Kleinstädte Quintero-Puchuncavi eine der am meisten verseuchtesten Gebiete Südamerikas! Vier Kohlekraftwerke und ein Dutzend Betriebe der Erdöl-, Chemie-, Kupfer-Industrie wurden hier hochgezogen, ohne auch nur minimalste Umweltschutzauflagen! Das Land müsse "Opfer bringen", das sei eben "der Preis des Fortschritts" forderte ganz offen die rechte Tageszeitung "El Mercurio del Valparaiso" zu Beginn der ersten Bauarbeiten im Juli 1957. Opfer für Bevölkerung, Flora und Fauna, enorme Profite für die in- und ausländischen Konzerne. "Zonas de sacrificio" = Opferzonen!

Quintero Bucht

Quintero Anlagen1

Quintero ENAP Konzession

Quintero Rohre

 Quintero Baden ungeeignet

   ("Strand nicht zum Baden geeignet")

Quintero Anlagen2

 Ein Arbeiter, den wir an der "Strandpromenade" treffen, erzählt uns von der seit Jahrzehnten anhaltenden regionalen Umweltkatastrophe: "Die Fischer können ihre Fische von diesem Küstenabschnitt schon lange nicht mehr verkaufen, sie sind zu stark mit Schwermetallen vergiftet. Leute, die die Kupferschmelze vor einiger Zeit besichtigten, kamen ganz grün wieder raus von der ungefilterten Luft dort.Immer wieder ziehen giftige Schwaden über die Gegend, Tiere sterben, Menschen müssen sich übergeben, werden ohnmächtig!" Er zeigt uns den Weg zum Haus der Fischergewerkschaft, die sich 2014 gegründet hat, nachdem tonnenweise vergiftete Fische am Strand angeschwemmt waren. Leider ist nachmittags niemand da, die Kollegen machen das ehrenamtlich. Und werden immer wieder massiv anonym bedroht! Ihr junger, kämpferischer Vorsitzender, Alejandro Castro, wurde letztes Jahr an einer U-Bahnstation im 40 Kilometer entfernten Valparaiso erhängt aufgefunden - die Behörden sprechen von "Selbstmord", seine Frau und Freunde halten das für absolut unwahrscheinlich und gehen von einem gezielten Mordanschlag aus. Mit einem großen Wandbild in Quintero wird an Alejandro erinnert. Weitere eindrucksvolle "Murales" sind gegenüber der Fischergewerkschaft zu sehen.

Quintero AlejandroCastro

Quintero Kapitalisten

Quintero Gasmaske

 

Quintero Recht zu leben

"Por el derecho a vivir" - Für das Recht auf Leben !

Quintero GrünerGeist

Als im August 2018 wieder einmal eine Giftwolke durch Quintero zog, mit der Folge von mindestens 300 Leuten mit aktuten Vergiftungserscheinungen, darunter 53 Schüler*innen, gab es die bisher größten Massenproteste. Auf Straßenblockaden, Schulbesetzungen, und Demos vor den Werkstoren der Großbetriebe reagierte der Staat mit Wasserwerfern und Tränengas. Als das die Proteste nicht eindämmen konnte, wurde Militär eingesetzt, das mit Gummigeschossen in die Menge feuerte. Präsident Pinera kam schließlich um den Volkszorn mit Versprechen für Umweltschutzmaßnahmen zu beruhigen - aber bis heute ist nicht viel passiert! 

Quintero Holzhäuser

Quintero Wasserwagen

Wasserversorgung mit Tankwagen. Das Wasser vor Ort ist nicht trinkbar.

Viele der Häuser und Hütten haben auch gar keinen Wasseranschluss, sondern nur Wasservorratsbehälter auf dem Dach.Quintero Pelikan

Leider haben wir zu wenig Zeit, um Aktivisten vor Ort zu treffen. Die Fahrt hin und zurück nach Santiago dauert 6 Stunden. Wir haben aber über unsere neuen Kontakte vom "Cumbre de los Pueblos" Telefon-Nummern und Internet-Adressen bekommen, sodass wir auch von Deutschland aus mit Organisationen des Umweltprotests in Quintero in Verbindung treten können. Empört und nachdenklich verlassen wir diesen Ort. Hier wurde uns besonders deutlich: Katastrophenalarm ist angesagt!

 

Quintero UG Transparent

 

 

Die 50 neuesten Beiträge