Unser „Süd-Treffen“ in Stuttgart zum „Abgasskandal und Nulltarif“ wurde von der Presse gut aufgenommen.

kundgebung Stuttgart
Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Kleiner Protest für die Umwelt

Von jub 28. Juli 2018 Stuttgarter Zeitung

Die Umweltgewerkschaft hält die geplanten Diesel-Fahrverbote in Stuttgart für ein Ablenkungsmanöver. Sie reichen nicht aus, um die Erde vor dem Kollaps zu bewahren, sagen sie. Aus diesem Grund gab es am Samstagnachmittag eine Kundgebung in der Stuttgarter Innenstadt.
Mirjam Gärtner ist die Sprecherin der Umweltgewerkschaft.

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Stuttgart - Vielleicht war es die tropische Hitze, vielleicht war es der Christopher Street Day wenige Meter weiter – viel Aufmerksamkeit zog die Kundgebung der Umweltgewerkschaft am Samstagnachmittag jedenfalls nicht auf sich. Der Verein, der der marxistisch-leninistisch geprägten MLPD nahe steht, wollte ein Zeichen setzen gegen das geplante Dieselfahrverbot in Stuttgart, allerdings kamen nur etwa ein Dutzend Interessierte.

Man spürt den Klimawandel an der Hitze, sagt die Sprecherin.

Die Rechtsentwicklung der Bundesregierung geht einher mit einer verschärften Rationalisierung und Arbeitsverdichtung in vielen Betrieben. Erst recht bei VW – fallen sie doch im internationalen Konkurrenzkampf immer weiter zurück.

Hier wird so mancher sagen: Was? Sie machen doch Traumprofite?
Ihre Traumprofite und Erfolgsmeldungen sind so überschwenglich wie oberflächlich: Wenn die Rede ist von 6,1% Absatzplus im Mai 2018, so muss man das differenziert betrachten. Die EU fällt weit zurück, in Deutschland liegt der Absatz gar bei 2%, in den USA bei 3%. Auch im chinesischen Markt verliert VW an Boden mit einem Plus von nur noch 6,6% - die riesigen Märkte sind Brasilien mit 28% und Russland im zweistelligen Bereich ( keine genauen Zahlen bekannt). In der Ranking Liste der 500 größten Monopole der Welt fallen sie seit 2015 kontinuierlich ab.

Interview mit Herrn Mock, Managing Director der Organisation ICCT ( International Council oft Clean Transportation).
Diese Organisation hat gemeinsam mit der DUH maßgeblich den VW- Dieseskandal mit aufgedeckt.

Ein Interview von Christian Frahm

Spiegel - 22. Juni 2018, 15:28 Uhr

Die Umweltminister der EU-Länder kommen am Montag in Luxemburg zusammen, um über die Abgasvorschriften für Neuwagen nach 2021 zu beraten - dem vielleicht wichtigsten Klimaschutzgesetz für den Straßenverkehr. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht bisher vor, den Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) von Fahrzeugen bis zum Jahr 2025 durchschnittlich um 15 Prozent, bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Ausgangspunkt ist der Ausstoß von 95 Gramm CO2 pro Kilometer bei Pkw und 147 Gramm bei leichten Nutzfahrzeugen. Diese Zielwerte gelten noch bis 2021, die neuen Vorgaben bauen darauf auf.

SPIEGEL ONLINE: Herr Mock, halten Sie diese Ziele für angemessen?

Mock: Die Zielwerte der Kommission werden bei Weitem nicht ausreichen, um die Klimaschutzziele der EU für das Jahr 2030 zu erreichen. Diese sehen vor, die Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, Deutschland strebt sogar 55 Prozent weniger an als im Jahr 1990.

Zum dritten Mal hintereinander nahm die Umweltgewerkschaft die Aktionärsversammlung von VW zum Anlass, ihren gerechtfertigten Protest gegen die Machenschaften von Politik und Autoindustrie öffentlich anzuprangern. VW steht deshalb im Focus, weil dieser teilstaatliche Konzern sich weltweit an Spitze gesetzt hat, um durch technische Manipulation die Schädigung von Mensch und Natur zu kaschieren, als einer der grössten Volumenhersteller für Krankheiten mit Todesfolge infolge der Abgasmanipulationen verantwortlich ist.In dieser Zeit sind drei Spitzenmanager von VW ausgewechselt worden, weil ihre Beschwichtigungslinien dem öffentlichen Protest nicht standhielten. War die Umweltgewerkschaft anfänglich nahezu allein vor Ort, so hat sich auch hier das Blatt gewendet – in Berlin waren Kritische Aktionäre, Greenpeace und Tierschützer mit dabei. Die Umweltgewerkschaft im Kreis befreundeter Organisationen liess mit unterschiedlichen Beiträgen über ihr mitgebrachtes ‚offenes Mikrofon‘ lautstark von sich hören, andere Institutionen nutzten die Anlage mit – Kennzeichen dafür, dass die UG mittlererweile in der Umweltbewegung einen festen Stand erreicht hat!
Auch die Aktionäre nahmen bereitgehaltene Informationen mit – die Kritik am Gebaren des VW-Vorstands lässt auch sie nicht unberührt.
Trotz allem Aufwand: diese Aktion der Umweltgewerkschaft muss als grosser Erfolg gewertet und gewichtet werden. Entscheidend ist nicht die Quantität verteilten Materials, entscheidend ist in der heutigen Mediengesellschaft Profil und Präsenz. Hier wird es noch strukturelle Verbesserungen geben. In der Binnenwirkung erfolgreich, weil die Mitgliedschaft über einen engagierten, einsatzfreudigen Bundesvorstand in Aktion informiert und mitgenommen wird – aber auch in der Aussenwahrnehmung erkämpft sich die Umweltgewerkschaft in Presse und Öffentlichkeit Wahrnehmung und teilweise gar Wertschätzung.

06.05.2018 Jochen